Perspektivwechsel in der Pferdewelt: was wir voneinander lernen können, wenn wir aufhören zu urteilen. Interview mit Lisette Robiné

Lisette ist Vielseitigkeitsreiterin, Journalistin und Podcasterin und sie kommt aus einer Welt, die von meiner auf den ersten Blick ziemlich weit entfernt scheint. Wir haben uns in Schweden im „Mutiversum“ getroffen, sind schnell tief ins Gespräch geraten und haben dabei gemerkt, dass wir in unseren Grundwerten gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Wir beide wollen das Beste für die Pferde. Wir beide hinterfragen, was wir tun. Und wir beide haben festgestellt, dass die eigene Bubble manchmal enger ist, als man denkt.
Wenn der Stallalltag zur Konfliktzone wird und wie du das ändern kannst

Du hast dich informiert, jede Menge gelernt, mit deinem Hufprofi gesprochen. Und jetzt machst du die Hufe deines Pferdes zwischen den Intervallen einfach selbst. Eigentlich keine große Sache. Aber dann kommt die Stallkollegin vorbei, schaut dir über die Schulter und sagt: „Na, das macht man doch nicht selbst. Dafür gibt es Profis.“ Du weißt nicht, was du darauf sagen sollst. Also sagst du gar nichts.
Das Spannungsdreieck Hufbearbeitung: drei Perspektiven, die du kennen solltest

In meiner täglichen Arbeit als Hufpflegerin erlebe ich es immer wieder: Pferdebesitzer:innen schimpfen auf Hufprofis, Hufprofis schimpfen auf Pferdebesitzer:innen und ihre Pferde. Dabei wäre so vieles einfacher, wenn man sich gegenseitig besser verstehen würde. Ich möchte dich deshalb einladen, einen Perspektivwechsel vorzunehmen: und zwar in alle drei Richtungen.
Profi oder Pferdebesitzer:in – wer sollte die Hufe wirklich bearbeiten?

Meine Kursteilnehmer:innen bearbeiten die Hufe ihrer Pferde oft auf einem Niveau, das nicht hinter dem mancher Profis zurücksteht, ohne jahrelange Ausbildung, ohne bis ins letzte Detail in die Theorie einzusteigen. Das liegt nicht daran, dass Hufprofis schlechte Arbeit leisten. Es liegt eher daran, dass sich das Selbstverständnis dieses Berufsbildes verschieben darf.