Das Spannungsdreieck Hufbearbeitung: drei Perspektiven, die du kennen solltest

Inhaltsverzeichnis

In meiner täglichen Arbeit als Hufpflegerin erlebe ich es immer wieder: Pferdebesitzer:innen schimpfen auf Hufprofis, Hufprofis schimpfen auf Pferdebesitzer:innen und ihre Pferde. Dabei wäre so vieles einfacher, wenn man sich gegenseitig besser verstehen würde. Ich möchte dich deshalb einladen, einen Perspektivwechsel vorzunehmen: und zwar in alle drei Richtungen.

Ein Bild, das mir dabei hilft, ist das eines Spannungsdreiecks. An jeder Ecke steht eine der drei Parteien: Pferdebesitzer:innen, Hufprofis und das Pferd. Und in jede dieser Ecken möchte ich heute einmal reinschauen.

Die Perspektive der Pferdebesitzer:innen

Nicht alle erleben die Hufbearbeitung gleich. Manche sind völlig entspannt, weil alles gut läuft. Andere haben vor jedem Termin schlaflose Nächte, hoffen, dass es schnell vorbei geht und das Pferd mitmacht. Dazwischen gibt es viele Abstufungen. Wer angespannt in einen Hufbearbeitungstermin hineingeht, überträgt diese Anspannung auf das Pferd und manchmal auch auf den Hufprofi. Das macht die Situation nicht leichter.

Die Menschen hinter den Pferden wünschen sich, dass ihre Sorgen ernst genommen werden. Sie sehen ihr Pferd jeden Tag, tragen die Verantwortung für seine Gesundheit und möchten verstehen, was bei der Hufbearbeitung passiert, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden und was sie selbst tun können, um die Hufsituation zu verbessern. Das ist aus meiner Sicht ein berechtigter Wunsch. Ein Hufprofi sieht das Pferd alle vier bis sechs Wochen. Was in der Zwischenzeit passiert, hängt maßgeblich davon ab, was du weißt und tust. Deshalb müssen Pferdebesitzer:innen gut ins Boot geholt werden.

An Hufprofis, die hier mitlesen: Versucht nachzuvollziehen, woher die Sorgen und Ängste kommen. Viele Pferdebesitzer:innen haben in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht, mit Profis, die nicht auf das Pferd eingegangen sind, mit Hufsituationen, die sich trotz regelmäßiger Bearbeitung verschlechtert haben. Das prägt. Und wenn ihr selbst irgendwann aus genau dieser Frustration heraus Hufprofi geworden seid, dann wisst ihr, wovon ich spreche.

Die Perspektive der Hufprofis

Als Hufprofi bist du den ganzen Tag körperlich im Einsatz, bei Wind und Wetter, mit wechselnden Pferden und Menschen. Wer selbst schon mal die Raspel geschwungen hat, weiß, wie das auf den Körper geht. Acht bis zwölf Pferde am Tag, viel Zeit im Auto dazwischen, und das bei Regen, Kälte oder matschigen Böden, das geht an die Substanz. Als Selbstständige haben viele Hufprofis zudem keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Wer krank wird, verliert Einkommen. Das ist ein Druck, den Pferdebesitzer:innen selten im Blick haben.

Konkret bedeutet das: Ein trockener, sauberer Arbeitsplatz ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine echte Arbeitsgrundlage. Bei nassem Wetter helfen schon kleine Dinge, die Hufe vor dem Termin abzuspritzen und dann abzutrocknen, damit der Hufprofi nicht mit nassen Ärmeln und eingeklemmten Beinen arbeiten muss. Das verschleißt auch das Werkzeug deutlich schneller, was wiederum Kosten bedeutet.

Was Hufprofis außerdem brauchen, sind Pferde, die auf die Hufbearbeitung vorbereitet sind. Das ist keine Aufgabe des Hufprofis, das liegt in deiner Verantwortung als Pferdebesitzer:in. Ein Pferd, das nicht ruhig stehen kann oder den Huf ständig wegzieht, macht präzises Arbeiten unmöglich und erhöht das Unfallrisiko. Gleichzeitig darf das nicht dazu führen, dass Hufprofis pauschal schlecht über Pferdemenschen oder deren Pferde reden. Wer sich über einen schwierigen Termin ärgert und diesen Ärger in den nächsten mitnimmt, schadet letztlich sich selbst und seiner Freude an der Arbeit.

Die Perspektive des Pferdes

Die Perspektive, die am häufigsten vergessen wird, ist die des Pferdes selbst. Es ist nicht natürlich, dass ein Mensch an den Füßen eines Pferdes herumwerkelt. Das muss gelernt werden, schrittweise und mit dem richtigen Wissen über Pferdeverhalten. Wenn ein Pferd bei der Hufbearbeitung nicht kooperiert, liegt das in den meisten Fällen nicht an bösem Willen, sondern daran, dass es seinen Job schlicht nicht gelernt hat oder schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Ich höre noch zu häufig den Satz, dass ein Pferd keinen Bock auf die Hufbearbeitung hat und sich deshalb absichtlich daneben benimmt. Das ist fast nie der Fall. Es ist eine fehlende oder falsche Konditionierung. Diesen Zusammenhang zu verstehen, kommt in der Ausbildung von Hufprofis aus meiner Sicht viel zu kurz, was dazu führt, dass Probleme falsch eingeschätzt und zu schnell dem Pferd oder dem Menschen dahinter angelastet werden.

Das ändert nichts daran, dass ein regulärer Hufbearbeitungstermin kein Trainingstermin ist. Hufprofis dürfen und sollten klare Grenzen kommunizieren, wenn ein Pferd so wenig kooperiert, dass sicheres Arbeiten nicht möglich ist. Aber bevor das Handtuch geworfen wird, lohnt es sich, ins Gespräch zu kommen, zu fragen, was das Pferd schon gelernt hat, was es braucht und wie beide Seiten einen Weg finden können.

Was alle drei Perspektiven gemeinsam haben

Die Lösung liegt nicht darin, dass eine Seite Recht hat. Sie liegt in offener Kommunikation vor, während und nach dem Termin. Wünsche klar aussprechen, Bedenken ernst nehmen, gemeinsam nach dem besten Weg für Mensch, Pferd und Hufprofi suchen. Das klingt einfach, ist aber in der Praxis noch lange nicht selbstverständlich. Und genau deshalb lohnt es sich, immer wieder daran zu erinnern.

Wenn du das Thema Hufbearbeitung grundlegend besser verstehen möchtest und in Gesprächen mit deinem Hufprofi sicherer werden willst, schau dir mein kostenloses Webinar „Schritt für Schritt zur perfekten Hufbalance“ an. Darin zeige ich dir anhand vieler Blickschulungsbeispiele, wie du Hufprobleme erkennen kannst, und wie du wirklich informiert in die nächste Hufbearbeitung gehst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wie Lisa und Maya mit der Trust Technique die Hufbearbeitung wieder entspannt erlebt haben

Manchmal hilft kein weiterer Versuch mit einem neuen Hufprofi, kein härteres Durchsetzen, kein erneutes Training. Manchmal braucht es einen anderen Ansatz. Lisa hatte genau das erlebt: Ihr Pferd Maya eskalierte bei der Hufbearbeitung immer wieder, Termine mussten abgebrochen werden, mehrere Hufprofis kamen nicht mit ihr zurecht. Der letzte schlug vor, Maya zukünftig nur noch sediert zu bearbeiten. Das wollte Lisa nicht akzeptieren und deshalb suchte sie nach einer anderen Lösung.

Weiterlesen »

Konflikte im Stallalltag lösen: drei Tipps für ein besseres Miteinander

Konflikte gehören zum Stallalltag dazu. Ich erlebe sie regelmäßig, wenn ich an Ställe komme und mitten in eine gerade ausgetragene Auseinandersetzung gerate, oder wenn mir Pferdebesitzer:innen aufgebracht von einer Situation berichten. Und ich kenne sie auch aus meiner eigenen Arbeit, wenn meine Hufbearbeitung hinterfragt wird oder ich mit Vorwürfen konfrontiert werde, die ein Tierarzt oder Physiotherapeut geäußert hat. Dann stellt sich für mich dieselbe Frage wie für alle Beteiligten: Wie bleibe ich sachlich, ohne das Gespräch zu verlieren?

Weiterlesen »

Wenn Hufbearbeitung zum Problem wird

Hufbearbeitung soll die Hufgesundheit unterstützen. Doch genau das ist nicht immer der Fall: Manche Pferde werden nach der Bearbeitung empfindlich, laufen schlechter oder zeigen Veränderungen, die sich nicht direkt erklären lassen.

Weiterlesen »
Manchmal hilft kein weiterer Versuch mit einem neuen Hufprofi, kein härteres Durchsetzen, kein erneutes Training. Manchmal braucht es einen anderen Ansatz. Lisa hatte genau das erlebt: Ihr Pferd Maya eskalierte bei der Hufbearbeitung immer wieder, Termine mussten abgebrochen werden, mehrere Hufprofis kamen nicht mit ihr zurecht. Der letzte schlug vor, Maya zukünftig nur noch sediert zu bearbeiten. Das wollte Lisa nicht akzeptieren und deshalb suchte sie nach einer anderen Lösung.
2019 hatte mein Pferd Mio einen schweren Weideunfall. Was folgte, war eine lange Stehpause und eine Zeit, die mich nicht nur praktisch, sondern vor allem innerlich gefordert hat. Ich merkte irgendwann, dass sich meine Komfortzone deutlich verkleinert hatte, ohne dass ich es zuvor bewusst wahrgenommen hatte.
Tina Pipilotta Meier ist jemand, der Entscheidungen trifft und sie dann mit allen Konsequenzen lebt. Sie ist aus dem von ihr gegründeten und gut laufenden Unternehmen ausgestiegen, nach Schweden ausgewandert, allein erziehend und hat mit Equipreneur noch mal neu angefangen. Für viele klingt das nach Mut. Für Tina ist es einfach das, was sich stimmig angefühlt hat.
Konflikte gehören zum Stallalltag dazu. Ich erlebe sie regelmäßig, wenn ich an Ställe komme und mitten in eine gerade ausgetragene Auseinandersetzung gerate, oder wenn mir Pferdebesitzer:innen aufgebracht von einer Situation berichten. Und ich kenne sie auch aus meiner eigenen Arbeit, wenn meine Hufbearbeitung hinterfragt wird oder ich mit Vorwürfen konfrontiert werde, die ein Tierarzt oder Physiotherapeut geäußert hat. Dann stellt sich für mich dieselbe Frage wie für alle Beteiligten: Wie bleibe ich sachlich, ohne das Gespräch zu verlieren?
Hufbearbeitung soll die Hufgesundheit unterstützen. Doch genau das ist nicht immer der Fall: Manche Pferde werden nach der Bearbeitung empfindlich, laufen schlechter oder zeigen Veränderungen, die sich nicht direkt erklären lassen.
Hufbearbeitung soll die Grundlage für gesunde Bewegung schaffen. In der Praxis gibt es jedoch immer wieder Situationen, in denen genau das Gegenteil passiert. Bestimmte Herangehensweisen führen dazu, dass sich die Hufsituation verschlechtert oder der Körper des Pferdes unnötig belastet wird.