Hufe zwischen den Intervallen selbst bearbeiten: warum es sich lohnt und wie du anfängst

Inhaltsverzeichnis

Vier bis sechs Wochen zwischen zwei Hufbearbeitungsterminen sind für viele Pferde schlicht zu lang. Gerade im Sommer, wenn das Hufwachstum deutlich schneller ist, wachsen Hebel aus, der Huf verändert sich stärker als einem lieb ist und beim nächsten Termin wird oft nur der Zustand vom letzten Mal wiederhergestellt. Wer in einer aktiven Korrekturphase steckt, verliert so zwischen den Terminen immer wieder an Boden. Das Zwischenbearbeiten ist deshalb bei vielen Pferden keine Spielerei, sondern eine sinnvolle Ergänzung zur regulären Bearbeitung.

Was bringt das Zwischenbearbeiten?

Der größte Vorteil ist die Kontinuität. Der Huf bleibt in einem gleichmäßigeren Zustand, statt große Sprünge zwischen den Terminen zu machen. Das wirkt sich besonders bei Korrekturhufen aus. Ich habe in meiner eigenen Arbeit immer wieder festgestellt, dass Korrekturen deutlich schneller zum Erfolg kommen, wenn Pferdebesitzer:innen zwischen den Terminen selbst mitarbeiten und wissen, an welchen Stellen sie ihrem Pferd helfen können.

Dazu kommt ein Vorteil, den kein Hufprofi ersetzen kann: du siehst dein Pferd jeden Tag. Du weißt, wie es sich auf unterschiedlichen Untergründen bewegt, ob es an bestimmten Tagen kürzer tritt oder zögert. Ein Hufprofi nimmt beim Termin immer nur einen Momentaufnahme wahr. Was dazwischen passiert, bleibt ihm verborgen. Wer selbst bearbeitet, verbindet dieses Alltagswissen mit dem Blick auf den Huf und kann viel gezielter eingreifen.

Was kannst du zwischen den Terminen konkret tun?

Beim Zwischenbearbeiten geht es nicht darum, die vollständige Hufbearbeitung zu übernehmen. Es geht darum, den Huf zwischen den Terminen in einem guten Zustand zu halten. Das kann bedeuten, Stellen nachzuarbeiten, die dazu neigen, schnell auszuwachsen oder sich ungünstig zu entwickeln, oder Hebel wegzunehmen, bevor sie zu groß werden.

Dabei lohnt es sich, die Ursachen im Blick zu behalten. Hebel sind oft nicht nur ein lokales Hufproblem, sondern spiegeln eine Schiefe wider, die sich durch den ganzen Körper des Pferdes zieht. Wer das versteht, bearbeitet gezielter und fragt sich gleichzeitig, ob neben der Hufbearbeitung noch andere Stellschrauben gedreht werden können, in der Haltung, der Fütterung oder im Training.

Wie fängst du an, ohne Fehler zu machen?

Der wichtigste Grundsatz ist, sich zuerst ein solides Grundwissen anzueignen. Wer ohne Verständnis für den Huf und seine Zusammenhänge anfängt, riskiert mehr Schaden als Nutzen. Ein guter erster Schritt ist, sich von einem Hufprofi genau zeigen zu lassen, was der Huf des eigenen Pferdes braucht und wo man sinnvoll ansetzen kann. Ein Kurs, ob vor Ort oder online, gibt zusätzlich Struktur und Sicherheit.

Hufbearbeitung ist (k)ein Hexenwerk
Die 4 Wochen Raspel-Challenge

Dein Einstieg in die Hufbearbeitung:
Schritt für Schritt, mit konkreten Handgriffen, live begleitet
und in einer Gruppe von PferdebesitzerInnen, die dasselbe durchgehen wie du.

Gleichzeitig empfehle ich, von Anfang an ein Fotoprotokoll anzulegen. Fotos aus immer denselben Perspektiven, regelmäßig und über einen langen Zeitraum hinweg, machen Veränderungen sichtbar, die man im Alltag leicht übersieht. Wer nah am Pferd ist, verliert manchmal den Blick für schleichende Entwicklungen. Der Vergleich über Monate schützt davor.

Hilfe beim Einstieg in die Hufbearbeitung

Und auch wenn man sicherer wird: ein regelmäßiger externer Blick bleibt wertvoll. Sei es durch den Hufprofi, der in größeren Abständen zur Kontrolle vorbeikommt oder durch eine Begleitung, die Feedback auf Fotos gibt. Eigenverantwortung bedeutet nicht, alles alleine zu tragen, sondern bewusst zu entscheiden, wann man Unterstützung braucht.

Wenn du direkt ausprobieren möchtest, wie sich ein geschulter Blick auf die Hufe deines Pferdes anfühlt, ist die Raspel Challenge ein guter Startpunkt. In vier Wochen lernst du Schritt für Schritt konkrete Handgriffe um einen ersten Einstieg in die Zwischenbearbeitung zu bekommen, begleitet durch Live-Calls und eine Gruppe von Pferdebesitzer:innen, die denselben Weg gehen. Am Ende weißt du, wie du die Hufe deines Pferdes zwischen den Bearbeitungsintervallen unterstützen kannst. Beginn der Challenge ist am 22. Juni!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Perspektivwechsel in der Pferdewelt: was wir voneinander lernen können, wenn wir aufhören zu urteilen. Interview mit Lisette Robiné

Lisette ist Vielseitigkeitsreiterin, Journalistin und Podcasterin und sie kommt aus einer Welt, die von meiner auf den ersten Blick ziemlich weit entfernt scheint. Wir haben uns in Schweden im „Mutiversum“ getroffen, sind schnell tief ins Gespräch geraten und haben dabei gemerkt, dass wir in unseren Grundwerten gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Wir beide wollen das Beste für die Pferde. Wir beide hinterfragen, was wir tun. Und wir beide haben festgestellt, dass die eigene Bubble manchmal enger ist, als man denkt.

Weiterlesen »

Wenn der Stallalltag zur Konfliktzone wird und wie du das ändern kannst

Du hast dich informiert, jede Menge gelernt, mit deinem Hufprofi gesprochen. Und jetzt machst du die Hufe deines Pferdes zwischen den Intervallen einfach selbst. Eigentlich keine große Sache. Aber dann kommt die Stallkollegin vorbei, schaut dir über die Schulter und sagt: „Na, das macht man doch nicht selbst. Dafür gibt es Profis.“ Du weißt nicht, was du darauf sagen sollst. Also sagst du gar nichts.

Weiterlesen »

Profi oder Pferdebesitzer:in – wer sollte die Hufe wirklich bearbeiten?

Meine Kursteilnehmer:innen bearbeiten die Hufe ihrer Pferde oft auf einem Niveau, das nicht hinter dem mancher Profis zurücksteht, ohne jahrelange Ausbildung, ohne bis ins letzte Detail in die Theorie einzusteigen. Das liegt nicht daran, dass Hufprofis schlechte Arbeit leisten. Es liegt eher daran, dass sich das Selbstverständnis dieses Berufsbildes verschieben darf.

Weiterlesen »
Hufbearbeitung soll die Grundlage für gesunde Bewegung schaffen. In der Praxis gibt es jedoch immer wieder Situationen, in denen genau das Gegenteil passiert. Bestimmte Herangehensweisen führen dazu, dass sich die Hufsituation verschlechtert oder der Körper des Pferdes unnötig belastet wird.
Lisette ist Vielseitigkeitsreiterin, Journalistin und Podcasterin und sie kommt aus einer Welt, die von meiner auf den ersten Blick ziemlich weit entfernt scheint. Wir haben uns in Schweden im „Mutiversum“ getroffen, sind schnell tief ins Gespräch geraten und haben dabei gemerkt, dass wir in unseren Grundwerten gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Wir beide wollen das Beste für die Pferde. Wir beide hinterfragen, was wir tun. Und wir beide haben festgestellt, dass die eigene Bubble manchmal enger ist, als man denkt.
Du hast dich informiert, jede Menge gelernt, mit deinem Hufprofi gesprochen. Und jetzt machst du die Hufe deines Pferdes zwischen den Intervallen einfach selbst. Eigentlich keine große Sache. Aber dann kommt die Stallkollegin vorbei, schaut dir über die Schulter und sagt: „Na, das macht man doch nicht selbst. Dafür gibt es Profis." Du weißt nicht, was du darauf sagen sollst. Also sagst du gar nichts.
In meiner täglichen Arbeit als Hufpflegerin erlebe ich es immer wieder: Pferdebesitzer:innen schimpfen auf Hufprofis, Hufprofis schimpfen auf Pferdebesitzer:innen und ihre Pferde. Dabei wäre so vieles einfacher, wenn man sich gegenseitig besser verstehen würde. Ich möchte dich deshalb einladen, einen Perspektivwechsel vorzunehmen: und zwar in alle drei Richtungen.
Meine Kursteilnehmer:innen bearbeiten die Hufe ihrer Pferde oft auf einem Niveau, das nicht hinter dem mancher Profis zurücksteht, ohne jahrelange Ausbildung, ohne bis ins letzte Detail in die Theorie einzusteigen. Das liegt nicht daran, dass Hufprofis schlechte Arbeit leisten. Es liegt eher daran, dass sich das Selbstverständnis dieses Berufsbildes verschieben darf.
Manchmal beginnt eine Geschichte mit einem Schock. Für Ronja war es der September 2023, als ihre Shetlandpony-Stute Pepsi einen Hufreheschub bekam. Gleichzeitig hörte ihre bisherige Hufbearbeiterin auf. Ronja stand vor einem Problem.