Swantje Rutkowski hat in unserem Gespräch etwas gesagt, der mich noch lange beschäftigt hat: Sie hatte die siebenjährige Tochter einer Trainingskollegin bei sich, die vier Tage lang intensiv mit ihren Pferden gearbeitet hat. Dieses Mädchen war hochkonzentriert, hat nie das Pferd für Fehler verantwortlich gemacht, hat gelacht, war im Moment. Und Swantje dachte: Das ist genau das, was wir Erwachsene meistens verloren haben.
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Mehr InformationenWas soziale Medien mit unserem Blick auf die Pferdearbeit machen
Wir sehen auf Instagram die großartigen Momente: Das erste Mal über einen Sprung, das perfekte Ausreiten. Der Moment, in dem alles sitzt. Was wir nicht sehen, sind die Wochen und Monate davor. Die Einheiten, in denen nichts funktioniert hat, die Tage, an denen man einfach nur nebeneinander gestanden hat. Weil das nicht filmbar ist oder weil man sich nicht traut, es zu zeigen.
Swantje hat sich getraut. Sie hat ein Video hochgeladen, in dem ihre siebenjährige Stute beim Springtraining jeden Sprung mitgenommen hat. Nicht weil sie es nicht könnte, sondern weil sie noch nicht verstanden hatte, was von ihr erwartet wurde. Und Swantje hat genau das gezeigt: den Prozess, der noch nicht fertig ist. Das hat sie Überwindung gekostet, weil sie weiß, dass viele ihr aus ihrer Zeit im Springsport folgen und bestimmte Erwartungen an sie haben. Aber sie hat es trotzdem getan.
Der Druck, den wir uns selbst machen
Ich kenne das aus meiner eigenen Arbeit sehr gut. Ich stehe bei einem Pferd, will etwas zeigen, und im Hinterkopf läuft gleichzeitig die Frage, ob ich das jetzt festhalte, ob das für Instagram taugt, ob ich das teilen kann. Und dieser Gedanke verändert alles: Das Pferd spürt es, die Qualität der Arbeit verändert sich. Was eigentlich ein Moment zwischen mir und dem Pferd sein sollte, wird zu einer Aufführung.
Swantje beschreibt das genauso. Ihr eigenes Pferd ist noch im Ausbildungsprozess, und der Druck, ein Vorzeigepferd zu haben, weil man in der Öffentlichkeit als Trainerin wahrgenommen wird, ist real. Dabei ist dieser Druck oft selbst gemacht. Die Pferde müssen keine Vorzeigepferde sein. Sie sind unsere Partner, unser Hobby, unsere Freude. Und das ist genug.
Was fünf Jahre Arbeit an einem Pferd wirklich bedeuten
Swantje begleitet seit fünf Jahren ein Pferd, das traumatische Erfahrungen gemacht hat, bevor seine Besitzerin es kaufte. Es war wirklich lebensgefährlich. Es ist heute noch nicht geritten. Und die Besitzerin hat in diesen fünf Jahren so viel gelernt, dass sie sagt: Das hat sie mehr gebracht als fünf Jahre einfach nur zu reiten.
Das ist das Gegenteil von dem, was Instagram uns zeigt: Kein großer Moment, kein virales Video, kein Vorher-Nachher. Nur eine Frau und ein Pferd, die sich über Jahre hinweg aufeinander eingelassen haben. Und eine Verbindung, die daraus entstanden ist, die man auf einem anderen Weg nicht hätte aufbauen können.
Im Prozess bleiben, nicht nur auf das Ergebnis schauen
Swantje hat in unserem Gespräch ein Hörbuch erwähnt, das gar nichts mit Pferden zu tun hatte, aber genau das beschrieben hat: Wir fahren auf Ergebnisse hin und verlieren dabei den Prozess. Den Weg. Die kleinen Momente dazwischen, die eigentlich das Wichtigste sind.
Bei Pferden ist das besonders spürbar. Das erste Mal, dass ein junges Pferd entspannt die Hufe gibt. Der Moment, in dem ein ängstliches Pferd zum ersten Mal wirklich zur Ruhe kommt. Der Tag, an dem ein Pferd, das sich immer losgerissen hat, freiwillig beim Menschen bleibt. Das sind keine Instagrammomente. Aber es sind die Momente, die bleiben.
Ich habe mir das auch für meine eigene Arbeit noch einmal bewusst gemacht: Nicht jede Einheit muss etwas produzieren. Manchmal ist einfach da sein genug. Für das Pferd und für sich selbst.





