Manchmal beginnt eine Geschichte mit einem Schock. Für Ronja war es der September 2023, als ihre Shetlandpony-Stute Pepsi einen Hufreheschub bekam. Gleichzeitig hörte ihre bisherige Hufbearbeiterin auf. Ronja stand vor einem Problem.
Pepsi ist etwa 23 Jahre alt und kommt aus einem Schulbetrieb, wo Haltung und Fütterung nicht immer optimal waren. Ronja kennt sie seit zehn Jahren, seit fünf Jahren ist Pepsi offiziell ihr Pony. Die Hufe hatte Ronja bis dahin nie besonders im Blick gehabt. Das änderte sich schlagartig.
Was die Röntgenbilder zeigten
Zu Beginn schien der Hufreheschub handhabbar. Ronja verzichtete zunächst auf Röntgenbilder, weil eine schnelle Verbesserung erhofft wurde. Als sich der Zustand aber nicht besserte, wurden im Januar 2024 das erste Mal Aufnahmen gemacht. Der Befund war eindeutig: Hufbeinrotation, Hufbeinabsenkung mit Hutkrempenbildung, extrem hohe Trachten, ein deutlich geschwächter Hufbeinträger. Die Bilder sahen nicht gut aus.
Ronja hatte in der Zeit alles versucht, was sie konnte. Futterumstellung, alternative Heilmethoden, verschiedene Ansätze. Nichts hatte nachhaltig geholfen. Als ich ihr das Hufrehepolster vorschlug, war es für sie ein letzter Strohhalm.
Das Hufrehepolster: ein unbekanntes Werkzeug
Für Ronja war das Polster ein völlig neues Thema. Wir begannen vorsichtig mit einem getretenen Polster, um erst einmal zu testen, ob Pepsi es verträgt, da gerade ältere Pferde mit unbekannter Vorgeschichte manchmal schmerzhaft darauf reagieren können, etwa wenn bereits ein Hufrollenbefund vorliegt. Pepsi vertrug es gut. Nach etwa zwei Wochen stiegen wir auf ein Polster mit Druck um.
Was dann passierte, ging schneller als alles, was Ronja vorher ausprobiert hatte. Pepsi lief deutlich besser. Man sah ihr die Erleichterung buchstäblich an: Sie fing an zu kauen, die Augen wurden weicher, Entspannung zog in ihr Gesicht ein. Signale, die zeigen, dass sich endlich etwas verbessert. Die Bewegungsfreude kam zurück, das Gewicht stabilisierte sich, der Teufelskreis aus Schmerz, Bewegungsunfähigkeit und weiterer Verschlechterung wurde durchbrochen.
Wie Ronja die Hufbearbeitung selbst übernahm
Als ich in Babypause ging, stand die Frage im Raum: Wie geht es weiter? In der Region gibt es nicht viele Hufbearbeiter:innen, die sich wirklich mit Hufrehepolstern auskennen. Jemand Neues zu suchen, der Pepsis Geschichte nicht kannte, fühlte sich für Ronja falsch an. Also entschieden wir uns für einen anderen Weg: Ronja würde die Bearbeitung selbst übernehmen, begleitet durch zwei Coaching-Termine und die Möglichkeit, mir jederzeit Videos und Fotos zu schicken.
Ronja hatte Zweifel. Die Hufe hatten sich für sie immer wie ein Buch mit sieben Siegeln angefühlt. Aber sie brachte etwas mit, das viel wert war: handwerkliches Geschick aus anderen kreativen Bereichen, ein gutes Auge und vor allem die Tatsache, dass sie Pepsi in- und auswendig kennt. Nach zwei Terminen arbeitete sie eigenständig. Sie machte zunächst zwei Hufe pro Tag, ließ sich alle Zeit der Welt und gab sich und Pepsi den Raum, gemeinsam zu lernen.
Der erste Moment, in dem sie es wirklich alleine umgesetzt hatte, brachte Muskelkater, aber auch Stolz. Und etwas, das sie so beschreibt: Die Hufe sind kein Mysterium mehr. Sie kann Pepsis Gesundheit auf einer ganz anderen Ebene beeinflussen als zuvor.
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Was die Kontrollröntgenbilder zeigten
In der ersten Jahreshälfte 2025 wurde ein Kontrollröntgentermin gemacht. Die Tierärztin war sprachlos. Die Rotation war deutlich zurückgegangen, der Huf hatte sich neu ausgerichtet, der Hufbeinträger hatte sich erholt. Kein Vergleich zu den Bildern vom Januar 2024. Pepsi läuft seit mehreren Monaten ohne Polster und die Verbesserung ist stabil.
Für Ronja ist es ein Mysterium, warum das Hufrehepolster nicht gang und gäbe ist bei Hufrehefällen. Warum nicht jede:r Hufbearbeiter:in dieses Werkzeug kennt und anwendet. Der Einsatz ist, wenn man weiß worauf man achtet, vergleichsweise simpel, und die Wirkung kann, wie Pepsis Geschichte zeigt, enorm sein.
Was Ronja anderen Pferdebesitzer:innen mitgeben möchte
Man muss nicht von Anfang an alles wissen. Wer die Hufbearbeitung selbst erlernt, lernt gemeinsam mit dem Pferd, miit den Hufen und mit dem, was sie einem erzählen. Das ist ein Prozess, der Zeit braucht, aber einer, der sich lohnt.
Und wer ein Pferd mit einer schwierigen Vorgeschichte hat, dem kann genau das eine besondere Freiheit geben: selbst handlungsfähig zu sein, das Tempo bestimmen zu können, nicht auf einen Termin warten zu müssen, und zu wissen, dass man etwas tun kann.
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