Wenn Pferdebesitzer:innen mit einem Jungpferd zu mir kommen, geht es meistens zuerst um die Hufe. Aber was ich in diesen Gesprächen immer wieder erlebe: Die Huf- und die Ausbildungssituation hängen enger zusammen, als viele denken. Ein Pferd, das in der Bodenarbeit noch nicht wirklich beim Menschen ist, das wegdenkt statt hindenkt, wird auch bei der Hufbearbeitung Schwierigkeiten machen. Und umgekehrt: Ein Pferd, das früh gelernt hat, mit Menschen zu kooperieren, gibt die Hufe leichter, steht ruhiger, lässt sich besser bearbeiten. Deshalb freue ich mich, wenn ich über das Thema Einreiten mit jemandem wie Swantje Rutkowski sprechen kann, die Jungpferde mit einer sehr klaren Haltung begleitet.
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Mehr InformationenWann ist der richtige Zeitpunkt, ein Jungpferd in der Arbeit zu starten?
Swantje sagt: Man kann nicht früh genug anfangen. Damit meint sie nicht, ein Fohlen zu longieren oder zu reiten, sondern die Basis zu legen. Hufe geben, sich anfassen lassen, dem Menschen nicht in den Raum drängen, sich führen lassen. Diese Dinge kann man altersgerecht von Anfang an üben. Und genau das sehe ich auch in meiner Hufpflegearbeit. Pferde, die früh gelernt haben, was der Umgang mit Menschen bedeutet, sind bei der Hufbearbeitung eine komplett andere Ausgangssituation: Sie haben gelernt zu lernen. Das merkt man sofort.
Für die vorbereitende Ausbildung, also bevor wirklich mit gymnastizierender Arbeit begonnen wird, empfiehlt Swantje, sehr individuell zu schauen, was das Pferd mitbringt. Ein festes Alter gibt es nicht. Was es gibt, sind Kriterien: Das Pferd sollte mutig genug sein, Ungewohntes auszuhalten. Es sollte respektvoll im Umgang sein, also nicht ungefragt in den Raum des Menschen treten. Und es sollte hindenken statt wegdenken, also die Anfragen des Menschen annehmen wollen statt sich dauerhaft zu entziehen.
Pferde, die wegdenken: warum das ein Problem ist
Swantje beschreibt das sehr anschaulich an einem Norweger, den sie gerade in der Betreuung hat. Er dreht den Kopf nach außen, marschiert los, steigt wenn das nicht funktioniert und dreht sich dabei vom Menschen weg. Er denkt also eindeutig weg. Ein solches Pferd würde sie nicht einreiten, weil es der Sache schlicht noch keine Chance gibt.
Das kenne ich aus meiner Arbeit bei der Hufbearbeitung genauso. Pferde, die wegdenken, entziehen sich, ziehen die Beine weg, drehen sich weg. Bevor man in solchen Situationen mit Druck arbeitet, lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Was steckt dahinter? Ist es Angst? Schmerz? Oder einfach, dass das Pferd nie gelernt hat, dass Kooperation sich lohnt?
Einreiten ohne Gebiss und ohne Bodenperson: eine andere Philosophie
Swantjes Ansatz beim Einreiten ist klar: kein Gebiss, kein Bodenpersonal beim ersten Ritt. Was für macnhe gewagt klingt, hat einn Grund: Sie möchte, dass das Pferd wirklich mitbekommt, was passiert. Dass es sagen kann, ob es okay ist oder nicht. Wer vorne jemanden hinstellt, der das Pferd festhält und mit Leckerlis ablenkt, nimmt dem Pferd genau diese Möglichkeit. Das Pferd kann nicht kommunizieren. Und wenn es dann losgeht, hat man ein Signal übersehen, das da war.
Das ist auch meine Haltung bei der Hufbearbeitung. Ich möchte nicht, dass ein Pferd die Hufe gibt, weil es keine andere Wahl hat. Ich möchte, dass es kooperiert, weil es gelernt hat, dass Kooperation sicher und angenehm ist. Das braucht mehr Zeit am Anfang, zahlt sich aber über Jahre aus.
Kann man sein Jungpferd selbst einreiten?
Swantje sagt: Es ist möglich, aber man sollte es nicht unterschätzen. Wer sein Pferd gut kennt, aufmerksam beobachtet und achtsam vorgeht, kann vieles selbst erarbeiten. Gleichzeitig empfiehlt sie, sich Unterstützung zu holen, besonders wenn man noch wenig Erfahrung mit dem Einreiten hat. Nicht weil man es nicht schafft, sondern weil man im Prozess einen Blick von außen braucht, der erkennt, wann etwas in die falsche Richtung geht.
Was falsch gemacht und über Jahre manifestiert wurde, ist viel schwerer zu korrigieren als etwas, das von Anfang an gut aufgebaut wurde. Das gilt für die Ausbildung genauso wie für die Hufe. Ein Jungpferd, das früh gelernt hat, die Hufe ruhig zu geben, macht das ein Leben lang. Ein Pferd, das dabei schlechte Erfahrungen gemacht hat, trägt das oft jahrelang mit sich.
Den passenden Trainer finden
Wer Unterstützung beim Einreiten sucht, sollte sich vorher überlegen, was er möchte. Welche Werte sollen in der Ausbildung eine Rolle spielen? Wie soll das Miteinander mit dem Pferd aussehen? Dann kann man gezielt suchen: Bewertungen lesen, schauen was jemand auf Social Media zeigt, ein erstes Gespräch führen. Swantje ist im Schweriner Raum vor Ort tätig, bietet aber auch Online-Unterricht an, was für viele eine echte Option ist, besonders wenn man in einer Region lebt, in der es wenig passende Trainer gibt. Hier findest du Swantjes Website.





