In meiner Arbeit als Hufpflegerin bekomme ich aus meiner Community immer wieder Geschichten gespiegelt, die mich nachdenklich machen. Pferde mit körperlichen Beeinträchtigungen, die bei der Hufbearbeitung so behandelt werden, als wären sie kerngesund. Keine Rücksicht auf Schmerzen, keine Anpassung der Arbeitsposition, stattdessen Druck, lautes Anschreien, manchmal sogar Schläge mit der Raspel. Das geht aus meiner Sicht gar nicht.
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Mehr InformationenZu Beginn möchte ich eines klarstellen: Es geht mir hier nicht darum, Pferdebesitzer:innen in Schutz zu nehmen, die das Training ihrer Pferde vernachlässigen. Die Hufbearbeitung muss trainiert werden, und unerzogene Pferde auf Kosten der Gesundheit von Hufprofis gehen zu lassen, ist nicht meine Intention. Worum es mir geht, sind Pferde, die körperlich schlicht nicht in der Lage sind, die Arbeitsposition einzunehmen, die ein Hufprofi bräuchte. Und davon gibt es mehr, als man denkt.
Arthrose, Spat, PSSM: was diese Pferde bei der Hufbearbeitung brauchen
Hufbearbeitung bei Arthrosepferden
Das prominenteste Beispiel sind Arthrosepferde. Sie können ihre Beine oft nicht lange hochhalten und fangen irgendwann an zu wackeln und zu tänzeln. Was ich in solchen Momenten tue: Ich gehe proaktiv darauf ein, bevor das Pferd an seine Grenze kommt. Das bedeutet, das Bein häufiger abzusetzen und es achtsam zurück zum Boden zu führen, so dass sich das Pferd neu ausbalancieren kann. Ich lasse das Bein nicht fallen lassen, sondern gebe es zurück. Diese Pferde sind in meiner Erfahrung sehr bemüht, so lange durchzuhalten wie möglich. Sie verdienen, dass wir ihnen das nicht abverlangen. Was sich außerdem bewährt hat: nicht ein Bein komplett fertig bearbeiten, sondern zwischen den Beinen wechseln. Das macht die Bearbeitung für beide Seiten angenehmer.
Das Gegenargument höre ich oft: Das dauert doch viel länger. Meine Erfahrung ist eine andere. Wenn ich mich mit dem Pferd anlege, dauert es mindestens genauso lang, meistens sogar länger, weil irgendwann der Punkt kommt, an dem das Pferd nicht mehr kooperiert. Und dann stellt sich die Frage, ob die Bearbeitung unter diesen Bedingungen überhaupt noch Sinn ergibt. Ich lege mich lieber nicht mit einem 600-Kilo-Warmblut an, das mir haushoch überlegen ist.
Pferde mit Spat in der Hufbearbeitung
Bei Pferden mit Spat in den Sprunggelenken sieht die Situation etwas anders aus. Diese Pferde ziehen das Bein beim Aufnehmen oft ruckartig unter den Bauch, was schnell wie ein Ausholbewegung zum Ausschlagen wirkt. In den allermeisten Fällen ist es das aber nicht. Das Pferd möchte sich kurz aufdehnen, das Bein einmal unter dem Bauch haben. Ich fasse den Huf in solchen Momenten leicht an, führe mit und erspüre, wann die Spannung nachlässt und das Bein locker in meiner Hand hängt. Erst dann führe ich es langsam in die Arbeitsposition. Pferde, denen man dieses selbstständige Herausgeben des Hufes lässt, sind oft kooperativer als erwartet, auch auf dem Bock.
Hufbearbeitung bei Pferden mit muskulären Erkrankungen
Pferde mit muskulären Erkrankungen wie PSSM bzw. MIM brauchen ebenfalls Anpassungen. Sie können sich aufgrund ihrer Muskelschwäche nicht so lange halten und müssen regelmäßiger absetzen. Was hier hilft: bei kalten Temperaturen vorher eine Decke auflegen, das Pferd warm arbeiten, damit die Muskulatur vorbereitet ist. Und auch hier gilt, die Körpersprache des Pferdes zu lesen. Viele Pferde spannen sich im Körper an, bevor sie wegziehen. Wer das wahrnimmt und rechtzeitig reagiert, hat ein kooperatives Pferd, kein schwieriges.
Beeinträchtigte Pferde brauchen gerade deshalb regelmäßige Hufbearbeitung
Ich erlebe es leider immer wieder, dass Pferdebesitzer:innen sich nicht trauen, ihren Hufprofi im Vorfeld über die körperlichen Baustellen ihres Pferdes zu informieren. Die Angst dahinter: dass der Termin abgesagt wird oder man nicht mehr in die Kundschaft aufgenommen wird, weil keiner mehr beeinträchtigte Pferde bearbeiten möchte. Das verstehe ich menschlich, aber es hilft dem Pferd nicht. Denn gerade diese Pferde brauchen kurze, regelmäßige Bearbeitungsintervalle. Wächst der Huf zu lang, kommt ein Schiefstand dazu, der die körperlichen Beeinträchtigungen noch verstärkt.
Mein Appell an Pferdebesitzer:innen: Sprecht es an. Nicht unbedingt schon bei der Terminvereinbarung, aber wenn der Hufprofi das erste Mal vor Ort ist. Ihr kennt euer Pferd am besten, wisst, wie es reagiert, wenn ihr die Hufe auskratzt oder an den Beinen arbeitet. Diese Informationen weiterzugeben, kann den Unterschied machen. Und an Hufprofis: Hört zu. Ein Kompromiss, der für Pferd und Mensch funktioniert, ist keine Schwäche, sondern gute Arbeit.
Wenn du das Gefühl hast, dass die Hufbearbeitung bei eurem Pferd grundsätzlich schwierig ist und du mehr Sicherheit im Umgang damit gewinnen möchtest, findest du in meinem kostenlosen PDF „Stressfreie Hufbearbeitung“ einen ersten praktischen Einstieg. In drei Schritten zeige ich dir, wie du mehr Gelassenheit und Kooperation in die Hufbearbeitung bringen kannst, auch wenn die Situation gerade nicht einfach ist.





