Tina Pipilotta Meier ist jemand, der Entscheidungen trifft und sie dann mit allen Konsequenzen lebt. Ja, das ist wirklich ihr offizieller Name, eingetragen im schwedischen Einwohnermelderegister für umgerechnet fünfundzwanzig Euro. Tina ist aus dem von ihr gegründeten und gut laufenden Unternehmen ausgestiegen, nach Schweden ausgewandert, allein erziehend und hat mit Equipreneur noch mal neu angefangen. Für viele klingt das nach Mut. Für Tina ist es einfach das, was sich stimmig angefühlt hat.
Wir haben uns im MUTIVERSUM in Schweden gut kennengelernt, einem fünftägigen Format, das Tina ins Leben gerufen hat und haben dabei Gespräche geführt, die weit über Pferde und Selbstständigkeit hinausgingen. Warum halten wir uns so oft selbst klein? Und was hat das eigentlich mit unserem Alltag mit den Pferden zu tun?
Warum Sicherheitsdenken uns kleiner macht als wir sind
Das Schlimmste, was uns in Deutschland passieren kann, wenn wir etwas wagen und scheitern, ist, dass wir uns wieder anstellen lassen müssen. Das klingt lapidar, trifft aber etwas Wesentliches. Das Sicherheitsdenken, das uns von klein auf begleitet, fängt schon in der Schule an. Welche Ausbildung machst du? Was studierst du? Werd am besten Lehrerin, dann hast du’s sicher. Niemand sagt: Du kannst Menschen begeistern, du kannst Pferde trainieren, mach dich einfach selbstständig.
Das hat nichts damit zu tun, dass Selbstständigkeit für jeden der richtige Weg ist. Viel grundlegender ist die Frage, ob wir überhaupt noch fragen, was wir selbst lösen könnten, was wir selbst ausprobieren könnten, wenn wir aufhören würden, auf den nächsten Experten oder die nächste perfekte Gelegenheit zu warten.
Eigenverantwortung auch im Umgang mit dem Pferd
Da Tina in Schweden lebt, ist der nächste Tierarzt zwei Stunden entfernt ist und ein Hufschmied schon mal schwer zu bekommen. Man besinnt sich wieder auf das, was man selbst kann: Eine offene Wunde desinfizieren. Eine Stallapotheke anlegen. Einschätzen lernen, was wirklich ein Notfall ist und was nicht. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht mehr, weil wir uns daran gewöhnt haben, dass für fast alles jemand da ist, der es übernimmt.
Ich erlebe das auch in meiner Arbeit regelmäßig: Pferdebesitzer:innen, die sich nicht trauen, die Hufe ihres Pferdes selbst anzuschauen, zu bearbeiten oder einzuschätzen, weil das Gefühl da ist, das sei ausschließlich Sache der Profis. Dabei ist genau dieses Hinschauen, dieses Dinge selbst ausprobieren, oft der Schritt, der am meisten bewegt. Man merkt, dass man mehr kann, als man sich zugetraut hat.
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Mut bedeutet nicht Bungee-Jumping
Das MUTIVERSUM war kein Event, bei dem spektakuläre Dinge passiert sind. Keine Extremsportarten, keine große Bühne. Stattdessen fünf Tage ohne Handy, Gespräche mit Menschen, die man vorher nicht kannte und in anderem Kontext vermutlich nie kennengelernt hätte oder kleine Aufgaben wie jemanden um Hilfe bitten, ein zwanzigminütiges Gespräch führen, ohne über Beruf, Kinder oder Pferde zu reden. Klingt simpel. Ist es nicht.
Die besten Momente mit meinen Pferden entstehen genau dann, wenn ich nicht überlege, welches Video ich noch drehen könnte, sondern einfach da bin. Das geht im Alltag schnell verloren: Kein Handy, kein Programm, kein Ziel. Einfach sein.
Wer bin ich eigentlich ohne mein Pferd?
Tina fragt im Gespräch, ob das Pferd vielleicht auch manchmal ein Belastungsfaktor ist, ob es noch genauso viel Freude bereitet wie früher und wer man eigentlich wäre, wenn man keine Pferde hätte. Eine Frage, die viele Pferdebesitzer:innen sich gar nicht trauen zu stellen.
Dabei geht es nicht darum, die Pferde abzugeben. Es geht darum, ehrlich hinzuschauen, ob die Beziehung zum Pferd noch das ist, was sie einmal war oder ob sich dazwischen Pflicht, Erwartung und Druck geschoben haben. Und vielleicht darum, das zuzugeben, wenn es so ist und etwas zu verändern..
Kleine Mutproben, die sich nicht so anfühlen
Mut zeigt sich meist nicht in den großen Entscheidungen, sondern in den kleinen Momenten, die wir täglich übersehen. Etwas ausprobieren, das man bisher abgelehnt hat. Jemanden um Hilfe bitten. Eine Meinung vertreten, ohne zu wissen, wie sie ankommt. Mit dem eigenen Pferd arbeiten, ohne es dokumentieren zu müssen.
Das gilt auch für die Hufbearbeitung. Viele trauen sich den ersten Schritt nicht, weil er zu groß wirkt. Dabei geht es gar nicht darum, sofort alles selbst zu übernehmen, sondern erst ein mal zu verstehen und was folgt, ist das Gefühl, mehr zu können, als man gedacht hat. Wenn du neugierig bist, ob du die Hufe deines Pferdes selbst besser einschätzen und begleiten könntest, ist mein kostenloses Webinar „Schritt für Schritt zur perfekten Hufbalance“ ein guter Einstieg. Hier bekommst du einen konkreten ersten Blick auf das, was möglich ist.





