Propriozeption beim Pferd – ein Einblick in die Tiefensensibilität

Inhaltsverzeichnis

Die Propriozeption, auch Tiefensensibilität genannt, spielt eine entscheidende Rolle im Training und der Gesundheit von Pferden. Sie ist wichtig für die Koordination, das Gleichgewicht und die Leistungsfähigkeit deines Pferdes.

Pferdeosteopathin Cornelia Klarholz hat mir in meinem Podcast die wichtigsten Fragen zur Tiefensensibilität beantwortet. Außerdem habe ich für dich einige Fakten und Hintergrundinfos in diesem Beitrag zusammengefasst.

Was ist Propriozeption?

Die Propriozeption zählt zu den drei bedeutenden Wahrnehmungssystemen des Körpers.

Durch fortlaufende Signale an das zentrale Nervensystem übermittelt es Informationen über die Position und Bewegung der Gelenke, Muskeln und Sehnen. Verantwortlich dafür sind spezialisierte Rezeptoren, bekannt als Propriozeptoren, die sich in sämtlichen Muskeln, Sehnen und Gelenkkapseln befinden.

Warum ist eine gute Propriozeption wichtig für Pferde?

Dank der Tiefensensibilität sind wir uns unter anderem darüber bewusst, wo sich unser Körper im Raum befindet.

Mehr noch: Eine gute Propriozeption ermöglicht es uns, Bewegungen präzise zu koordinieren und auszuführen. Außerdem sind wir dank der Propriozeption in der Lage, unser Gleichgewicht in den unterschiedlichsten Situationen zu halten. Das Gleiche gilt für unsere Pferde. Beispielsweise kann sich dein Pferd dank der Propriozeption sicher auf den verschiedensten Böden bewegen, sei es auf einem matschigen Paddock, auf einem Sandplatz, im Wasser oder auf einem steinigen Untergrund.

Vorteile einer gut trainierten Propriozeption

Für eine effektive Propriozeption müssen Muskeln, Sehnen, Nerven, Gelenke und Bänder harmonisch zusammenarbeiten. Dies kannst du gezielt trainieren.

Propriozeptives Training bietet zahlreiche Vorteile:

  • Verletzungsprävention: Eine gute Propriozeption unterstützt die Muskulatur und das Bewegungssystem des Pferdes. So beugt sie Verspannungen und Verletzungen vor.
  • Bessere (Huf-)Gesundheit: Propriozeptives Training fördert die Körperhaltung und die Beweglichkeit deines Pferdes. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Belastung der Gelenke, Muskeln und Sehnen aus. Dein Pferd ist fitter und fühlt sich wohler in seiner Haut.
    Auch die Hufe sind ein wichtiger Teil des propriozeptiven Systems, da sie die Verbindung zwischen dem Pferd und dem Boden darstellen. Durch gezieltes propriozeptives Training verbesserst du die Hufgesundheit. Gleichzeitig kann eine schlechte Hufbearbeitung die Propriozeption beeinträchtigen und zu Problemen wie Hufknorpelentzündungen oder -verknöcherungen führen.
  • Beweglichkeit und Koordination: Eine gute Propriozeption ermöglicht es Pferden, ihre Bewegungen geschmeidig und koordiniert auszuführen. Sie können ihre Gelenke optimal nutzen und ihre Muskeln effektiv einsetzen. Die Qualität der Gangarten verbessert sich und dein Pferd wird leistungsfähiger.
  • Verbessertes Reitgefühl: Um eine gute Kommunikation und ein harmonisches Zusammenspiel zwischen dir und deinem Pferd zu erreichen, müsst ihr beide eure Tiefensensibilität nutzen. Je besser die Propriozeption ausgeprägt und trainiert ist, desto besser könnt ihr euch koordinieren und eure Balance halten. Dies führt zu einem besseren Reitgefühl und einer verbesserten Leistung.
  • Mentale Stärke: Viele Pferde entwickeln durch propriozeptives Training mehr Vertrauen und Selbstbewusstsein. Das Training fördert ihre mentale Stärke und ihr Wohlbefinden, was sich positiv auf die Pferd-Mensch-Beziehung auswirken kann.

Propriozeptives Training für Pferde

Propriozeptives Training lässt sich (relativ einfach) in das tägliche Training integrieren. Durch gezielte Übungen und Trainingsmethoden kannst du die Propriozeption verbessern.

Hier einige Beispiele:

Unterschiedliche Böden

Je vielfältiger das Umfeld deines Pferdes ist, desto besser trainiert es seine Propriozeption. Freilauf auf der Wiese, Bewegung auf unterschiedlichen Böden und das Balancieren auf unebenen Untergründen sind gute Möglichkeiten, die Propriozeption zu fördern.

Therapeutische Maßnahmen

Für Pferde, die aufgrund von Verletzungen oder Erkrankungen körperlich eingeschränkt sind, sind therapeutische Maßnahmen zur Verbesserung der Propriozeption sinnvoll. Dazu gehören:

  • physiotherapeutische Übungen
  • manuelle Therapie
  • Akupunktur
  • andere ganzheitliche Ansätze

Wichtig: Wende dich an eine:n qualifizierte:n Therapeut:in, um die richtigen Maßnahmen für dein Pferd zu finden.

Gezielte Übungen

Es gibt eine Vielzahl von Übungen und Trainingsmethoden, die die Propriozeption bei Pferden verbessert. Dazu gehören:

  • Balanceübungen
  • Koordinationsübungen
  • Übungen zur Stärkung der Tiefenmuskulatur

Diese Übungen können sowohl am Boden als auch im Sattel durchgeführt werden. Mit einem/r erfahrenen Trainer:in oder Osteopath:in kannst du einen Trainingsplan für dich und dein Pferd erstellen. Das Training solltest du immer langsam und schrittweise steigern, um Überlastungen und Verletzungen zu vermeiden.

Mit dem Alter nimmt die Propriozeption bei Pferden übrigens ab. Um mögliche altersbedingte Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, solltest du dich regelmäßig tierärztlich beraten lassen und Training und Ernährung entsprechend anpassen.

Propriozeption – ein ganzheitlicher Ansatz

Das Training und die Schulung der Propriozeption ist Teil eines ganzheitlichen Ansatzes, der Körper, Geist und Umwelt umfasst. Neben dem propriozeptiven Training ist es wichtig, das Pferd artgerecht zu halten, für eine ausgewogene Ernährung zu sorgen und eine positive und respektvolle Beziehung zu deinem Pferd zu pflegen. Das Training und die Schulung der Propriozeption ist Teil eines ganzheitlichen Ansatzes, der Körper, Geist und Umwelt umfasst. Neben dem propriozeptiven Training ist es wichtig, das Pferd artgerecht zu halten, für eine ausgewogene Ernährung zu sorgen und eine positive und respektvolle Beziehung zu deinem Pferd zu pflegen.

Möchtest du mehr zur Propriozeption erfahren?

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